Stadtmuseum Wilhelmspalais
Stuttgart

Wettbewerb zur Sanierung des Wilhelmspalais 2009, 1.Preis

Die Stadt ist Gegenstand des Museums und das Museum ist Teil der Stadt. Um diesen konzeptuellen Grundgedanken des Stadtmuseums einzulösen, wird eine räumliche Strategie vorgeschlagen, die auf zwei wesentlichen Interventionen basiert. Zum einen wird der Hauptzugang zum Stadtmuseum wieder zur Stadtmitte orientiert. Darüber hinaus wird die im Zuge des 60er-Jahre-Umbaus Zentrum des Gebäudes errichtete Haupttreppe wieder entfernt. Hierdurch wird das wesentliche Qualitätsmerkmal des Wilhelmspalais wieder hergestellt: die städtebauliche Achse wird durch das Gebäude geführt (und u.a. mit dem Stadtmodell verknüpft). Diese Durchdringung von Innen und Außen lässt den urbanen Raum zum wesentlichen Exponat des Stadtmuseums werden.
Neben der wiederhergestellten freien Mittelachse ist das Stadtmuseum vor allem durch seine vertikale Schichtung von unterschiedlichsten Nutzungen geprägt. Visuell verknüpft über einen zentralen Luftraum, verschränken sich die Nutzungen unterschiedlichster Öffentlichkeit (Ausstellungsbesucher, Kindergruppen, Fremdvermietungen, Stadtdebatten). Die verschiedenen Funktionsbereiche des Stadtmuseums sind zum Teil variabel schaltbar und erlauben damit ein hohes Maß an Flexibilität für Sonderausstellungen und –veranstaltungen.

Das Stadtmuseum fügt sich als dritte Schicht in die Tektonik des Wilhelmspalais ein: nach dem Mauerwerksbau des 19. Jahrhunderts, der Betonstruktur des 20. Jahrhundert wird eine textile transluzente Wand als 3. Zeitschicht eingeführt. Diese weiche lineare Struktur führt eine neue zeitgenössische Materialität in das Gebäude ein und kann zugleich flexibel und sensibel auf die historisch gegebene Situation reagieren. Die historischen Relikte werden nicht negiert, sondern bleiben sichtbar. Nach Außen bleibt der Habitus des Salucci-Baus erhalten – lediglich ein zur Konrad-Adenauer-Straße hin orientiertes Informations-Lichtobjekt trägt das Programm des Stadtmuseums nach Außen sichtbar in die Stadt. Im Inneren bleibt das Prinzip der Trennung von Tragen (teilweise von der neuen transluzenten Schicht umhüllt) und Begrenzen erhalten. Der Max-Bense-Saal bleibt in Funktion und denkmalgeschützter Innenschale zur Gänze erhalten.

Die lineare Struktur nimmt verschiedene Formen an: von „stabilen“ Zuständen in der Dauerausstellung bis hin zu temporären Situationen für Präsentationen, Einzelvermietungen, Kindergruppen etc.  Das Vokabular des Wandthemas reicht von tiefen Wänden (die dreidimensionale Exponate und technische Geräte integrieren), über einschichtige Wände für Flachware (auf einer ebenen Unterkonstruktion), transluzente Folien für Rückprojektionen, bis hin zu beweglichen Vorhängen für den Max-Bense-Saal und den häufig fremdvermieteten StadtRaum im ersten Obergeschoss. Im Bereich des Stadt-Labors bilden die textilen Wände verschiedene temporäre Inseln für spielerisches Lernen und Experimentieren