MiQua – Jüdisches Museum im archäologischen Quartier
Köln

Das neue Museum wird ein wesentlicher Teil der „Via Culturalis“ werden, die sich vom Dom bis zu St. Maria im Kapitol erstreckt. In der Mitte zwischen den beiden Eckpunkten dieser neuen Kulturroute liegt der Platz des historischen Rathauses, an dem nun das neue Museum entsteht. Analog zum heterogenen Charakter des Ortes arbeitet der Entwurf mit dem Konzept der Schichtung. Vielschichtig ist er unterirdisch von der Archäologie, oberirdisch vom Stadtraum bestimmt. Hier ging es vor allem um eine Verdichtung, die im Rekurs auf eine kleinmaßstäbliche Platz- und Gassenstruktur den Ort in seiner historischen Dimension reflektiert und den gewachsenen Stadtgrundriss, der eher einem großen Hof glich, wieder begreifbar macht, die alten Straßennamen wie Portalsgasse und Judengasse verräumlicht und wieder sichtbar macht. Aufgrund seiner zweitausendjährigen Geschichte ist Köln durch eine Vielzahl von heute meist unsichtbaren baulichen Schichten charakterisiert. Der Entwurf soll das Prinzip dieser Schichtung sichtbar machen und sich zum prägenden Motiv des neuen Museums entwickeln. Das Einzigartige dieses Ortes: hier entstehen quasi zwei Museen auf einmal, die beide für die Stadtgeschichte von höchster Bedeutung sind und die darüber hinaus konzeptionell, historisch und materiell untrennbar miteinander verzahnt sind. Geschichte ist nicht trennbar. Der römische Kern sowie das ehemalige jüdische Ghetto. Exemplarisch wird dies an den Mauern der Ratskapelle, die auf den Fundamenten der Synagoge aufbaut, versinnbildlicht. Die erste Aufgabe der neuen Architektur ist es, die zweitausend Jahre alten geschichtlichen Fragmente in sito durch einen Schutzbau zu erhalten, sichtbar zu machen und  – da Steine nicht sprechen oder man nur das sieht, was man weiß – den Raum für weitere Exponate und Erläuterungen zu schaffen. Die Worte der New York Times über diesen Ort „Discover a lost world“ könnten gleichsam das Motto des neuen Hauses sein.
Das Museum schwebt folgerichtig nur punktuell ablastend, um die historischen Schichten nicht zu zerstören, als neue schützende Schicht über der Archäologischen Zone. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit und Notwendigkeit, Alt und Neu angemessen zu verknüpfen und die Geschichte im Kontext zu präsentieren. Synagoge und Mikwe werden im neuen Haus durch den ihr Volumen abzeichnenden Luftraum zum einen als Baukörper lesbar und zum anderen entsteht ein direkter visueller Bezug von oberirdischem Ausstellungsgeschoss, und unterirdischer Grabung. Die enge Verbindung beider Museumsbereiche schafft für den Besucher die Möglichkeit, sich zuerst einen Überblick zu verschaffen, bevor er in das Labyrinthische hinab schreitet und in die Geschichte eintaucht.
Das schwebende Museum fungiert so mit Bezug auf die unteren Schichten als ein Schutzdach respektive als ein Schutzraum, der organisatorisch wie symbolisch selbstständig ist und zwar in der inneren Organisation, als auch in seiner Wirkung im städtischen Umfeld. Das Schichtungsprinzip des Entwurfes ist auch im Außenbau ablesbar. Der hohe Luftraum der Archäologischen Zone ist durch eine transluzente Glasschicht gefasst, das gefiltert natürliches Licht eindringen lässt. Sparsam eingesetzte Glasflächen erlauben dem Passanten gezielte Einblicke in die Archäologische Zone und zu den Schlüsselexponaten Synagoge und Mikwe.