Archiv der Avantgarden
Dresden

Wettbewerb zum Umbau des Dresdner Blockhauses zurm Archiv der Avantgarden 2017, 3.Preis

Das Dresdner Blockhaus verspricht als neue Heimat für das Archiv der Avantgarden eine spannungsvolle Auseinandersetzung zwischen historischer Struktur und der geplanten Nutzung. Das Blockhaus blickt auf eine wechselhafte und einzigartige Geschichte zurück. Es wurde erdacht, verworfen und anders errichtet als geplant. Schließlich verändert, erweitert, überformt und zerstört. Nach dem Krieg schließlich in einer Art von Rückbesinnung auf den Stand von vor 1892 zurückgeführt und wiederhergestellt. Dies geschah zu einer Zeit in der weltweit die Avantgarden als eine Art fortschrittliche Gegenbewegung entstanden waren. Es stellt sich unweigerlich die Frage, wie das barocke Monument am Dresdner Königsufer zwischen Elbe und dem Reiterbild August des Starken einer Institution, wie dem Archiv der Avantgarden, also schlechthin der komplexen Sammlung von radikal fortschrittlichen und utopischen Ideen, Heimat werden kann. Im Sinne eines inszenierten Widerspruchs sieht der vorliegende Entwurf vor, die historische Hülle des Blockhauses so gut wie möglich zu erhalten. Dabei fällt die stringente Vorgabe zum Zwecke des Denkmalschutzes auf Eingriffe in die Fassade zu verzichten nur anfänglich schwer, obwohl damit die Möglichkeit ungenutzt bleibt die neue Nutzung ikonographisch im Stadtraum sichtbar zu machen. In der Konsequenz der Inszenierung stärkt die Fassade in ihrer alten und scheinbar unberührten Pracht letztlich das architektonische Spannungsfeld zwischen innen und außen. Nach dem Abbruch der inneren Ausbauten sollen die verbleibenden historischen Wände im Innenraum brut belassen werden. Im Rahmen der Maßnahme sollen auch gegebenenfalls vorhandene Zeitschichten in den Wandbekleidungen, wie Putze oder Farbschichten örtlich freigelegt werden. Somit wird die Hülle des Blockhauses auf die historisch relevanten Fragmente konzentriert. Im Innenraum entsteht dagegen ein moderner und heller Baukörper als Kern innerhalb der alten Schale. Es bilden sich kontraststarke Zwischenräume, die als gebaute Auseinandersetzung das intellektuelle Spannungsfeld aus Manifest, Gegenwart und Zukunft, dass der Archivdiskussion innewohnt in eine spürbare Raumerfahrung transportieren.

Nur wenige Strömungen haben in einem Umfang wie die Avantgarden gattungsübergreifend gesellschaftsrelevante Inhalte erdacht und erschaffen. Ein Archiv kann dieses revolutionäre Gedankengut einer Bewegung sammeln und katalogisieren. Dadurch wird es erlebbar, anfassbar und verständlich. Ein Archiv, ein Buch oder ein Objekt sind per se allerdings passive Dokumente und als solche aus der Bewegung herausgenommene Abbilder derselben. Erst durch einen Aktivator, den Prozess der Interaktion mit einem Nutzer, die künstlerisch, expositorische Aufarbeitung und Übertragung in die Gestaltung der Zukunft wird das Archiv jenseits dem Erstarren in der kunstgeschichtlichen Rezeption lebendig und schließlich selbst Bewegung. Die Kombination des Archivs (also der Dokumentation) mit den erweiterten Nutzungsplattformen für Forschung und Aktion (also dem Prozess) ist wesentlich für die Zukunftsrelevanz der gesamten Einrichtung. Die Forschungs- und Aktionsräume transportieren die Inhalte des Archivs in die Denkweise des 21. Jahrhunderts und darüber hinaus. Die Gestaltung dieses Spannungsfelds, also Abgrenzung und das Ineinanderfließen von Dokumentation und Prozess, die Belebung des Archivs, sind zentrales Motiv für die Konzeption dieser Arbeit.
Die Zonierung und räumliche Konzeptionierung im Innenraum ist daher im Wesentlichen durch die Ordnung von Dokumentation und Prozess, deren Schnittstellen und Besonderheiten geprägt:- – Das Archiv bildet als größte horizontale Flächeneinheit auf einem eigenen Geschoss das Herz des Instituts. Auf der Fläche können alle denkbaren archivarischen Formen realisiert werden.
– Der zentrale wandelbare Ausstellungsraum und die Forschungsplattform werden als Kerne vertikal übereinander organisiert und lagern sich dem Archiv jeweils aus dem Erdgeschoss und dem     Dachgeschoss an, durchdringen es und bilden wiederum eine eigene räumliche Verknüpfung. Sie werden so zur wichtigsten Schnittstelle von Prozess und Dokumentation
– Die erweiterten Flächen der Aktionsplattform, die Arbeitsplätze, die Workshops, die Veranstaltungs- und Begegnungsräume bilden den Prozess des Weiterdenkens ab.

Die vertikale Schichtung ermöglicht zum einen die Ausbildung von zusammenhängenden Funktionseinheiten. Zum anderen werden auch den Anforderungen an die einzelnen Bereiche und der notwendigen Zonierung bei höchstmöglicher Flexibilität umgesetzt.